Nemesis

 

„Erfüllt von der nackten Angst ums Leben schlich die Aufklärerin in den nächsten Raum: Die Waffenkammer! Schnell durchwühlte sie die Schränke: Zwei Energiepacks zum Nachladen der Waffe und ein Gewehr. Damit würde Sie diesen Albtraumgeschöpfen ihre graue Haut gerben. Im Headset knackte und knisterte es, einer der Kameraden keuchte und brüllte etwas. Das Zischen von Blasterschüssen erklang…“

Nemesis versetzt den Spieler in eine Szenerie, die wir aus dem Film Alien kennen: Ein Raumschiff in den Tiefen des Weltalls. Eine angsterfüllte Besatzung, hingerissen zwischen wissenschaftlicher Neugier und nacktem Überlebenswillen. Eine Bedrohung, so abgrundtief böse und unberechenbar, dass jeder Raum zum Abenteuer wird.

In 15 Runden haben die Spieler die Gelegenheit das Schiff zu erkunden und etwas über die Aliens herauszufinden, die das Schiff zu ihrer Brutkammer auserkoren haben. In jedem Fall aber müssen alle Defekte behoben und das Ziel korrigiert werden, um weiter Kurs in Richtung Erde zu halten.

Jede Runde stehen den Spielern reihum diverse Aktionen zu: Sie können sich schnell oder vorsichtig bewegen, Räume durchsuchen und sich ausrüsten, Gegenstände bauen, auftauchende Aliens bekämpfen, das Schiff und dessen Bestandteile reparieren, Alien-Infektionen und Wunden behandeln. Jeder unbedachte Schritt kann dabei Lärm auslösen und eines der Viecher anlocken.

Im Anschluss bestimmen Ereigniskarten die Ausbreitung der Bedrohung, Systemausfälle und andere Komplikationen. Auch der tentakelbewehrte Feind ist am Zug, jagt Klauen und Zähne in die Charaktere – alles zufallsbasiert und doch regelmäßig näher, als man’s gerade braucht.

Glück und Pech können den Spielern schnell zum Vorteil verhelfen oder schwer in die Defensive drängen. Doch auch die richtige Taktik ist nicht unwichtig beim Kampf ums Überleben.

Nemesis kann komplett kooperativ oder in einem teils kompetitiven Modus gespielt werden. Hierbei wird das Spiel um persönliche Motive ergänzt („Du gewinnst das Spiel, wenn der Charakter Nummer 3 nicht überlebt.“). Ein Highlight ist dabei auch ein Kampagnenmodus, der auf einem eigens dafür entwickelten 70-seitigen Comic (!) aufbaut.

Nemesis erhaltet ihr für ca. 140 Euro im Fachhandel. Dafür aber ist das Material der Box auch absolute Spitze: Detaillierte Figuren von den Charakteren und den Aliens schaffen eine beeindruckende Atmosphäre. Daneben gibt es Kartendecks für jeden Spielercharakter, Gegner und Ausrüstung, diverse Spielsteine, um Gesundheit, Munition, Defekte und die eigene Trampeligkeit bei der Erkundung zu dokumentieren. Insgesamt also ein stolzer Preis, aber dennoch eine absolute Empfehlung für Gruppen, die kooperative Spiele mit atmosphärischem Tiefgang mögen.

T.I.M.E. Stories: Estrella Drive

Am Freitag kamen wir endlich dazu die neue T.I.M.E. Stories Erweiterung Estrella Drive zu spielen. Da T.I.M.E. Stories schon lange immer hohen Ansprüchen genügt waren die Erwartungen entsprechend hoch.  Und – um das vorweg zu nehmen – sie wurden erfüllt.

Um was geht es diesmal?

Wir reisen in das Jahr 1982. Um genau zu sein, nach Hollwood in die Villa eines Regisseurs. Doch irgendwas stimmt mit dieser Villa nicht. Nach und nach finden wir heraus dass hier vor genau 13 Jahren ein Massaker geschehen ist. Eine Sekte stürmte das Haus, um alle Menschen und den Hund zu töten, darunter auch die Frau des damaligen Besitzers, der selbst nie da war.

So, begeben wir uns weiter auf Spurensuche. Unser eigentliches Ziel ist einen Zeitriss zu finden. Seine Auswirkungen bekommen wir immer wieder zu spüren. Storytechnisch durch geisterhafte Erscheinungen und Stimmen aus den Wänden, spielmechanisch durch Abzug von Zeiteinheiten, was besonders schmerzvoll ist, da nur 20 davon pro Durchgang zur Verfügung stehen.

Das Szenario erinnert uns an die Charles Manson Morde. Natürlich wird der Name nie genannt. Doch es gibt viele Parallelen. Ich möchte hier nicht weiter spoilern, doch es wird noch interessant.

Mir hat die Erweiterung Spass gemacht. Die Stimmung kommt gut rüber und es gibt einiges zu enträtseln. Doch die Rätsel sind so durchdacht dass man nicht zu lange für sie benötigt. Einzig die Punktvergabe am Ende war ein Knackpunkt. Hier war ich überrascht wie man mehr Punkte hätte erreichen können. Wenn man es nicht weiss ist das aus meiner Sicht heraus unmöglich.